Die Montagsfrage #91 – Welches Buch aus einem Genre, das du eigentlich nicht magst, magst du?

Hei!

Ich bin gerade so kaputt von meinem Workout, aber nach acht Stunden im Büro ist das ein Gefühl, das ich sehr begrüße, weil ich ohne Workout zu einem Stück Holz ohne jede Flexibilität und Tiefenmuskulatur mutieren würde. Und so widme ich mich der dieswöchigen Montagsfrage frisch geduscht und ausgepowered. Es ist, wie ich finde, eine sehr schöne Frage, mit deren Antwort ich meistens sehr viel Unverständnis hervorrufe – was ich absolut nachvollziehen kann. Ich finde es selbst ziemlich paradox.

Welches Buch aus einem Genre, das du eigentlich nicht magst, magst du?

Ich gestehe: Ich mag keine Krimis. Ich finde schon die Grundstruktur eines Krimis absolut öde. Etwas passiert, meistens Mord, so Tarantino x Battle Royale wie möglich, jemand versucht herauszufinden, wer es war, die Geschichte wird aufgelöst, Ende. Ab und zu ein Perspektivwechsel, aber selbst die sind mittlerweile ausgeleiert. Ich liebe Bücher, die ich mehrmals lesen kann und das kann ich mit Krimis einfach nicht, weil es meistens nur den einen Vorfall zu klären gibt und naja, dessen Auflösung kenne ich dann ja schon. Ich mag es auch gar nicht in den heutigen Krimis, dass mir das immer gleiche Privatleben der Ermittler*innen büffchenweise wie eine 18-Uhr-Soap zwischn den wichtigen Kapiteln vorgesetzt wird. I don’t care.

Wenn der Krimi schlecht ist, weiß ich nach 30 Seiten, wer es war und ich bin gelangweilt. Wenn der Krimi gut ist, macht es am Ende Peng, aber danach ist für mich die Magie verloren gegangen und ich stelle das Buch zurück ins Regal und seine Charaktere und die Handlung verflüchtigen sich. Wenn aus Sicht des Mörders oder der Mörderin geschrieben wird, dann sind sie extra brutal oder wahre Megaminds – meistens beides – und auch das finde ich dann ermüdent. Dann schaue ich mir lieber den Samstagabendkrimi an, das sind dann so 90 Minuten semi-spannende bis gute Unterhaltung und danach gehe ich schlafen.

Ich habe auch meistens ein Problem mit den Persönlichkeiten der Ermittler*innen. Da gibt es das Arschloch, meistens ergänzt durch einen Dicken oder eine Person mit Migrationshintergrund als Side Kick, der/die überproportional gut gelaunt ist. Der Arsch hat Beziehungsprobleme und mindestens eine Ex Frau und/oder On-off Beziehung. Dann gibt es die attraktive schlaue Ermittlerin, zwischen 30 und 40, unverheiratet und hetero mit fetter Love Interest irgendwo im Büro und die von mindestens drei anderen Männern umschwärmt wird, von denen keiner der ist, auf den sie steht. Typ drei ist der liebe männliche Ermittler mit Humor und Kind(ern) im Teenager Alter.

Typ eins hasse ich am meisten. Wenn der Ermittler ein Arsch mit Side Kick ist, klappe ich das Buch zu und lese etwas anderes. Typ zwei ist mir zu brav, aber nervt immerhin nicht. Typ drei mag ich nur als TV Version an langweiligen, geselligen Samstagabenden mit meinen Eltern, die sich durch guten Wein und Obstsalat auszeichnen.

So, das war jetzt ziemlich fies und ich hoffe, das nehmt ihr mir nicht übel 😉

Kommen wir zu den Ausnahmen, okay?

Agatha Christies Miss Marple Fälle.

Ich liebe Miss Marple. Sie ist alt, ziemlich witzig, ist nicht in den Dorfpfarrer verliebt und hat den Fall noch vor Ende des ersten Kapitels gelöst.

Was ich an Agatha Christies Büchern am meisten schätze, ist dass ich nicht beschmissen werde mit unnötigen Hintergrundgeschichten. Ich bekomme, was ich will: Ein Rätsel. Kein privates Drama. Keine Probleme im Liebesleben von Miss Marple. Ich kriege ein Rätsel und die Aussagen von allen anwesenden Leuten und den Rest muss ich mir selbst zusammenbasteln anhand von Wortwahl, Grundwissen und meinem Gedächtnis. Und das alles auf 200-300 Seiten. Mehr will ich doch gar nicht 😀 Und sowas kann ich dann eben doch mehrmals lesen, und zwar mit anderen zusammen, meistens mit meiner Mutti, die Miss Marple entspannend und ziemlich witzig findet.

Verblendung von Stieg Larsson

Verdammnis & Vergebung sind eher Thriller, aber der erste Teil der Trilogie des Schweden kommt dem „klassischen“, von mir gerade zerrissenen Krimiformat noch am nächsten. Was ich an diesem Buch und generell der ganzen Reihe so mag, ist Lisbeth. Vor allem im Duett mit Mikael. Lisbeth ist keine Typ 2 Ermittlerin – sie hat eine vielschichtige, wesentlich realistischere Sexualität, sie ist weder naiv noch attraktiv noch lieb und süß und nimmt eine ganz eigene Rolle in der Reihe ein. Auch Mikael kann ich für einen Hauptcharakter recht gut leiden. Larssons Figuren kommen einfach so lebensecht daher, dass ich die Bücher immer wieder lesen könnte. Zumal die Handlung einfach immer vom Mystery-Krimi Stück für Stück in einen Justizfall voll Korruption und Kalten Krieg merged und das finde ich einfach sehr eigen und ziemlich gut gemacht.

Ich weiß allerdings noch nicht, welche Verfilmung ich besser finde. Ein David Fincher Film ist generell erstmal immer optisch ganz großes Kino, aber Robin Wright als Erika Berger war irgendwie meh und als Daniel Craig mit Bargeld in einem Stockholmer Café bezahlt hat, musste ich LAUTHALS lachen. Lieber David Fincher, wir reden hier über Stockholm. Da hat keiner mehr Bargeld. Und viele gastronomische Betriebe nehmen auch gar keines mehr an.

Und das Stellan Skarsgård der Böse war, war ja mal sowas von klar. Der einzige Schwede unter den wichtigen Figuren musste es wieder schmeißen und das war dann doch etwas zuuuu durchschaubar in einem Film, der in Schweden spielt und in dem es ansonsten nur Briten und Amerikanerinnen im Cast gibt.

Gone Girl von Gillian Flynn

Noch Krimi oder schon abgefuckter Psycho Thriller? Irgendwie beides, oder? Ich mag Gone Girl hauptsächlich, weil ich Nick hasse und Amy so gerne dabei „zugesehen“ habe, wie sie ihn so richtig die Hölle heiß macht. Dabei ist sie selbst eine absolut furchtbare Person, der ich wirklich nie in meinem Leben begegnen will.

Gone Girl ist außerdem DER Pärchenfilm von meinem Freund und mir – mein Freund findet Rosamund Pike absolut erotisch (ich stimme zu) und ich kann nicht genug kriegen von ihrer Stimme, und der Fakt, dass Neil Patrick Harris am Ende aufgeschlitzt und nackt im Bett liegt, ist einfach zum Schreien, wenn man How I Met Your Mother gesehen hat. Stellenweise fand ich das Buch aber auch zäh und weil ausnahmslos alle Figuren irgendwie den Schuss nicht gehört haben, hat mir auch irgendwie ein Sympathieträger gefehlt – Nick hat so viel Charme wie eine zentralfinnische Steckmücke.

Das war jetzt wieder mehr sehr ausführlich. Falls ihr Krimis mögt, dann hoffe ich, dass ich nicht zu bösartig war. Vielleicht habe ich auch einfach nur die falschen Krimis gelesen oder bin einfach noch dicht von dem Überfluss an Krimis, die mein Vati während meiner Jugend gelesen hat – allesamt entweder feel good Südfrankreich Strand-Lit oder derbste Skandic-Metzeleien in irgendwelchen schwedischen Waldhütten.

Nach drei Jahren in Finnland frage ich mich, wie die Masche mit diesen Morden in Hütten in düsteren, kalten skandinavischen Ländern immer noch zieht. Es ist schon irgendwie witzig xD Die kleinen Grundschulkinder radeln hier im Winter allein im Dunkeln durch den Wald von A nach B – muss ja, schließlich ist es ab 14 Uhr dunkel und kein Elternteil hier oben fährt sein schulpflichtiges Kind zur Schule oder von der Schule nach Hause. Das Kind läuft oder radelt. Immer. Generell kann ich mir keinen sichereren Ort auf der Welt vorstellen, als irgendwo mittem im nordischen Nadelwerk in meiner kleinen Sommerhütte mit Sauna und Außentoilette.

Lasst es euch gut gehen,

Eure Lotti Xx

4 Gedanken zu “Die Montagsfrage #91 – Welches Buch aus einem Genre, das du eigentlich nicht magst, magst du?

    1. Lesen aus Liebe

      Moi Andreas!

      Nein, bist du definitiv nicht. Ich weiß dieses „alte“ Format wirklich sehr zu schätzen, und dann kann ich das Buch auch nicht weglegen. Dann muss ich das in einem Rutsch lesen 😉

      Grüße zurück,
      Lotti

      Gefällt 1 Person

  1. Hey Lotti,

    ich musste bei Christie sofort an Andreas denken und schon sehe ich ein Kommentar von ihm. 🙂

    Ich glaube, du hast für mich, die beste Antwort geliefert, die ich bis jetzt gelesen habe. Erstmal schön über ein Genre sagen, was dich nervt und dann die Ausnahmen präsentieren, die gefragt sind. Cool.
    Krimis sind übrigens auch nicht mein Ding und wenn überhaupt habe ich auch nur mal so eine Mischung aus Krimi und Thriller gelesen. Du bist mir dahingehend also weit hinaus.

    Liebe Grüße
    Tina

    Gefällt 2 Personen

    1. Lesen aus Liebe

      Hallo Tina,

      dein Lob geht runter wie Butter, danke ❤️ Ich bin mir sicher, irgendwann begegne ich doch noch einmal einen weiteren Krimi, der mir richtig gefällt, aber die, die ich bisher gelesen habe (und gerade in meinen Teenager Jahren waren da einige dabei), haben mir nicht so wirklich Lust auf mehr gegeben, wegwegen ich meistens auf Nummer sicher gehe und einfach innerhalb meiner Agatha Christie Blase bleibe 🤭 Meine Schwester die Serienmörderin wäre vielleicht so ein Titel, den ich lesen würde.

      LG,
      Lotti

      Gefällt 1 Person

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