Montagsfrage #87 Wo befindest du dich gerade in deiner momentanen Lektüre?

Moi!

Tut mir echt leid, dass es in den vergangenen Wochen so still war auf meinem Blog – ich hatte einfach gerade keine Muße, habe stattdessen gelesen und geschrieben und viel gearbeitet.

Da ist die Montagsfrage eigentlich perfekt, um wieder in die Spur zu kommen 🙂 Ich schulde euch noch eine Kritik zu Potiki, dass ich bereits vor einiger Zeit beendet habe. Aber darum soll es jetzt nicht gehen, sondern stattdessen will ich lieber die dieswöchige Montagsfrage beantworten:

Wo befindest du dich gerade in deiner momentanen Lektüre?

Also.

Ich lese gerade The Swan Book von der Australierin Alexis Wright. Die Geschichte spielt im Australien einer nicht weiter definierten Zukunft, genauer gesagt in einer von der Regierung erschaffenen, abgeschotteten und vom Militär überwachten Community für Aboriginies im äußersten Norden des Kontinents und in einer großen Stadt im Süden, von der ich glaube, dass es sich um Sydney handeln könnte, denn Canberra ist es nicht. Durch den Klimawandel steht das uns bekannte australische Klima komplett auf dem Kopf: der Norden ist komplett ausgedürrt, dafür gibt es im Süden jetzt tagelangen Dauerregen, Nebelschwaden und Kiefern.

Hauptfigur des Romans ist Oblivia, eine junge Frau, die in dieser Community im Norden aufgewachsen ist, jedoch während ihrer Kindheit und Jugend durch eine längere Zeit der Isolation und eine Gruppenvergewaltigung und deren gesellschaftliche Folgen schwer traumatisiert wurde. Oblivia spricht nicht, wohl, weil sie es psychisch einfach nicht kann. Und so lebt sie weitestgehend isoliert und als Ausgestoßene in ihrer Siedlung. Was sie nicht weiß: Der neue, junge Hoffnungsträger der australischen (und der Welt-)Politik, Warren Finch, ebenfalls australischer Ureinwohner, wird eines Tages kommen und sie heiraten. Ihre Familien haben diese Heirat bereits arrangiert, als sie beiden noch kleine Kinder waren und sich nicht kannten. Er nimmt sie mit in den Süden, und heiratet sie uuuuuund

weiter bin ich noch nicht. Ich bin jetzt auf Seite 235 von 340 und was jetzt vielleicht eher nach Kitsch klingt, ist eigentlich eine ziemlich düstere Dystopie. Die Siedlung im Norden ist nach heutigen Standards eine humanitäre Katastrophe. Warren Finch, aufgewachsen unter Leuten, die ihm eingetrichtert haben, er sei eine Art Messias für die Menschheit, aber besonders für Australien, tut teilweise ein paar Dinge, die mich an seiner mentalen Gesundheit ernsthaft zweifeln lassen. Oblivia wird von ihm aus ihrem Umfeld gerissen und ohne jede Empathie behandelt. Die Themen sind klar: Der Umgang mit den Aboriginies und Australiens Kolonialgeschichte und deren anhaltenden Folgen, aber auch Klimawandel und Frauenrechte sind immer mit von der Partie. Den anfang des Buches fand ich etwas zerrig, muss ich gestehen, aber jetzt wird es doch recht heftig und auch spannend. Und irgendwie hypnotisiert mich dieses Buch sprachlich und atmosphärisch einfach total.

Parallel dazu lese ich Growing Up Aboriginal in Australia, eine non-fiktionale Anthologie von australischen Autorinnen und Autoren (alle Aboriginies), die auf verschiedenen Weise davon erzählen, wie sie im Laufe ihres Lebens gelernt haben, was es für sie bedeutet, aboriginal zu sein. Die Geschichten sind alle sehr persönlich und wahnsinnig interessant. Die Geschichten, die ich bisher gelesen habe, spielen so etwaaaaa zwischen den 1970ern und den frühen 2000ern. Ich habe aber noch nicht sehr weit gelesen, bin vielleicht so auf Seite 80.

Beide Bücher parallel zu lesen, war eine sehr gute Idee. Ich habe mich noch nie intensiv mit Australien beschäftigt, und gerade The Swan Book ist so voll mit Abspielungen auf gesellschaftliche Probleme, dass ich wahrscheinlich total verloren gewesen wäre ohne das zweite Buch, dass einem wirklich viel beibringen kann über jene Gesellschaft.

So, ich bin also mental gerade zu 100% in Australien 😉

Eure Lotti Xx

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